Der planerische Denkansatz

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Alle Büros wurden gebeten, ihre planerische Strategie, also ihren Denkansatz, näher zu erläutern. Grundlage aller Ideenskizzen sind die Planungen zur leistungsfähigen Stadtstraße sowie des städtebaulichen Testentwurfs, also den bestehenden Vorschlägen für eine mögliche Bebauung entlang der Stadtstraße. Zentral ist dabei die Frage, wie ein neuer, attraktiver Stadteingang mit mehreren Trittsteinen bis zum Rhein geschaffen werden kann und wie die Stadtteile enger miteinander verknüpft werden können.
Weitere Informationen zu dieser Lupe finden Sie im Informationsbereich.

Gesamtentwurf des Büros Agence Ter

Agence Ter Landschaftsarchitekten aus Karlsruhe sieht durch den Bau einer ebenerdigen Stadtstraße sehr große Verbesserungsmöglichkeiten für die innerstädtische Entwicklung durch Stadt- und Grünräume. Gestaltung und Nutzung von Stadt- und Freiraum sowie die Anforderungen des Verkehrs sollen bei der Planung zusammengedacht werden. Eine rein auf verkehrstechnische Belange ausgerichtete Planung würde hingegen „defizitäre Freiräume“ erzeugen, also Freiflächen, die die Menschen nicht wirklich nutzen können. Damit der Freiraum im Umfeld der neuen Stadtstraße vernetzt und qualitätvoll gestaltet werden kann, sollen außerdem wichtige Stadtachsen definiert und gestärkt und dort konsequent eingegriffen werden, wo Menschen sich nicht gut aufhalten können („defizitäre Stadtstrukturen“). Agence Ter befürwortet die Schaffung von Eingangssituationen und markanten (Hoch-)Punkten; Gestalt und Atmosphäre von Freiflächen sollen präzise definieren werden.

Das Büro entwickelt zwei wichtige Verbindungslinien und nennt diese: das Urbane Band und das Grüne Band. Das Urbane Band verknüpft das Rheinufer mit der Innenstadt und ist ein wesentlicher Baustein des Konzeptes. Fußgängerzone, Einkaufscenter und der Nahverkehr stehen im Mittelpunkt. Dabei wird vor allem auf die Belange von Fußgängerinnen und Fußgängern, Radfahrerinnen und Radfahrern und Fahrgästen der Straßenbahnen und Busse geachtet. Das Grüne Band verbindet die Innenstadt entlang der Rheinuferstraße im Süden mit dem Hemshof im Norden.

Die neue Stadtstraße mit Alleecharakter führt zum Rhein. Sie wird von großkronigen Baumreihen gesäumt, die in den urbaneren Bereichen in Baumscheiben, ansonsten in Pflanzflächen positioniert werden. In der Straßenmitte wird die Stadtstraße durch versetzt gepflanzte säulenförmige Eichen rhythmisiert oder gegliedert. Die Baumpflanzungen lenken den Blick von Westen kommend in Richtung Rhein. Auch wenn die Stadtstraße verkehrstechnisch nach Norden verschwenkt, findet sie hier stadträumlich ihren Abschluss. Die Baumpflanzungen lenken den Blick von Westen kommend in Richtung Rhein.

Durch den neuen Planungsansatz entsteht eine neue Achse von der Prinzregentenstraße durch das Rathaus-Center zur Bismarckstraße. Der Eingangsbereich vom Hemshof zum Rathaus-Center wird neu gestaltet. Der erweiterte Europaplatz erhält klaren Raumkanten. Der Ludwigsplatz wird abgerundet. Die Planungsideen sehen darüber hinaus eine Erweiterung des Friedensparks vor.



Gesamtentwurf des Büros GTL

Der Bau einer ebenerdigen Stadtstraße bietet aus Sicht von GTL Landschaftsarchitekten, Kassel, für Ludwigshafen die einmalige Chance, den derzeit noch vorhandenen „Unraum“ längs der Hochstraße zu einem lebendigen Stadtraum aufzuwerten. Trotz der weiterhin hohen Verkehrsbelastung lassen sich klare und selbstverständlich wirkende Verknüpfungen zwischen südlicher Innenstadt und den nördlichen Stadtteilen sowie zum Rhein herstellen.

GTL schlägt vor, mit wenigen Maßnahmen ein eindrucksvolles räumliches Bild für Ludwigshafens neue Stadtstraße zu schaffen. Grundidee ist: Der Stadtraum wird maßvoll erweitert. Dies geschieht durch das Zurücksetzen der geplanten Bebauung entlang der Stadtstraße um rund acht Meter. Dadurch erweitert sich der Raum zwischen den Fassaden rechts und links entlang der Straße auf eine gleichmäßige Breite von 66 Metern. Nun wird es möglich, durchgängig eine doppelreihige Allee zwischen Radweg und Fußweg zu pflanzen. Diese hält den Verkehr wohltuend auf Abstand, argumentiert GTL. Das Auseinanderrücken der doppelreihigen Allee erlaubt eine zusätzliche Baumreihe in der Mitte, was den Alleecharakter unterstreicht.

Um eine für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrerinnen und Radfahrer gute und nachvollziehbare Verknüpfung zwischen den beiden Seiten herzustellen, werden die Baumreihen an allen wichtigen Querungen und angrenzenden Plätzen geöffnet. Hierdurch entsteht eine gegliederte Folge aus baumüberstandenen und offenen Straßen- und Platzräumen, die für alle Verkehrsteilnehmenden gleichermaßen abwechslungsreich ist. Das prägnante Bild einer Allee bleibt über das perspektivische Sehen in Fahrtrichtung trotz der Gliederung in einzelne Blöcke erhalten. Auch schlägt GTL eine eindrückliche Beleuchtung vor, die den Charakter des Straßenraums in der Nacht unterstreicht.

Einen weiteren Schwerpunkt legt der Planungsansatz von GTL auf das neue Entree zum Rhein. Der Verbindung zwischen Ludwigsplatz, der neuen Haltestelle am Rathaus und dem nördlichen Bereich der Rhein-Galerie widmen sich die Planer besonders und machen konkrete Vorschläge. Im weiteren Planungsansatz werden Europaplatz und Carl-Wurster-Platz durch die Ergänzung von neuen baulichen Raumkanten und durch die Unterbrechung der Baumreihen über die Stadtstraße hinweg neu in Szene gesetzt. Der neue Rheinuferpark in Richtung BASF bringt den Hemshof an den Rhein. Der Friedenspark wird erweitert.


  • Gesamtplan GTL

Gesamtentwurf des Büros Olschewski mit Valentien + Valentien

Aus städtebaulicher Sicht ergeben sich für die Bürogemeinschaft von Olschewski und Valentien + Valentien, Ludwigshafen und München, drei Handlungsfelder: die Zusammenführen der Stadtteile entlang der neuen Stadtstraße, die Anbindung der nördlichen Innenstadt und des Hemshofs an den Rhein mit einer Fortführung der Uferpromenade nach Norden sowie die Belebung des Friedensparks als Naherholungsraum für die städtische Bevölkerung und als „grüne“ Wegeverbindung.
Der planerische Ansatz zielt dabei auf eine Vernetzung der Stadtteile sowie die Aufwertung von Stadträumen ab. Die Vernetzung der Stadtteile erfolgt über zahlreiche Übergänge über die neue Stadtstraße, über die Verknüpfung von Stadtplätzen sowie über optische Verbindungen. Die Ränder der neuen Stadtstraße werden als Aufenthaltsräume begriffen und mit breiten Zonen für Fußgänger und Radfahrer sowie mit einer mit kräftigen Baumpflanzungen gestaltet.

Bei der Aufwertung von Stadträumen nehmen Olschewski mit Valentien + Valentien den Carl-Wurster-Platz (Entwicklung zum Quartiersplatz) sowie die Gräfenaustraße (verkehrsberuhigter Stadtteileingang in den Hemshof) in den Blick. Die Jaegerstraße soll urban gestaltet werden, der Rathausplatz soll niveaugleich mit der Stadtstraße und dem Rhein verbunden werden.

Ein weiterer Anknüpfungspunkt ist die Anbindung der nördlichen Innenstadt und des Hemshofs an den Rhein mit einer Fortführung der Uferpromenade nach Norden. Hier schlagen die Planer einen Steg als ‚Merkzeichen‘ am Rhein vor mit Blickbeziehung auf Ludwigshafen und Mannheim. Am Stadteingang soll eine Landmarke entstehen: eine modellierte Hügellandschaft am Brückenkopf. Künstlich gestaltet und unter Verwendung des Abbruchmaterials der Hochstraße dient sie als Erinnerung und „historisches Zitat“.

Die vorgelegten Planungsideen sehen eine Weiterführung der Uferpromenade bis zum Werksgelände der BASF vor mit einer Platzfläche am Getreidespeicher und unter der Rheinbrücke, Sport- und Spielplatzflächen sowie Wegeverbindungen zum Hemshof. Der Friedenspark soll als Naherholungsraum für die städtische Bevölkerung belebt werden und als „grüne“, autofreie und schnelle Wegeverbindung zwischen den Stadtteilen dienen. Durch einen Ausbau des Spielplatzangebotes für alle Altersgruppen soll der Park attraktiv werden. Die Planer schlagen außerdem eine Öffnung der Bebauung zum Park mit Erschließung von Westen her vor.



Alltag: Wie praktikabel sind die Gesamtkonzepte? Werden Sie den Bedarfen von Fußgängerinnen und Fußgängern und Radfahrerinnen und Radfahrern gerecht?

Bedeutung: Welche Erwartungen verknüpfen Sie mit der Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für City West?

Planung: Welches Gesamtkonzept halten Sie für besonders nachvollziehbar? Urteilen Sie besonders mit Blick darauf, wie es Stadtteile miteinander verbindet und welche Ideen es zur „grünen“ Entwicklung neuer Stadtquartiere bereit hält.

Zur Gestaltung von Grünflächen und Plätzen gehört neben z. B. Brunnen, besonderer Beleuchtung und Sitzgelegenheiten auch Kunst im öffentlichen Raum. Dazu könnte man beispielsweise im Friedenspark eine Art Ausstellungsfläche im Freien schaffen, auf der regionale Künstler Skulpturen o.ä. präsentieren können. Dies müsste nicht zwangsläufig mit großem finanziellem Aufwand verbunden sein.

Anwort der Verwaltung auf Kommentar

Sehr geehrter Gast,
derzeit erarbeitet die Stadt ein Parkraumkonzept. Hierfür wird der Bestand an Parkplätzen und die Auslastung zu verschiedenen Tageszeiten sowie Wochentagen erfasst. Nach Abschluss dieser Grundlagenermittlung kann das Thema "Parkplätze in der Innenstadt" zielgerichtet angegangen werden.
Ihre Stadtverwaltung

Bei allen Denkansätzen werden mehrere bestehende Parkplätze für die City überplant, aber kein einziger Stellplatz neu mitentwickelt. Wo parken die Menschen, die weiterhin (auch während der Bauzeit!) in der City arbeiten und einkaufen wollen? Kann man auf dem Auge der Mobilität derart blind sein?

Der Entwurf von GTL sieht vor, den Seitenstreifen der Stadtstrasse zu verbreitern und mehr Bäume zu pflanzen. Damit kann einerseits mehr grün in die Stadt gebracht werden, die Gebäude rücken ein Stück von der Straße weg, das verbessert dem Lärmschutz und lässt andererseits größere Gestaltungsmöglichkeiten für den Randbereich. Der Vorschlag sollte weiterverfolgt werden.

Wenn neue Plätze konzipiert werden, sollte auf jeden Fall eine Ausgestaltung für alle Generationen geplant werden: mit Sitzgelegenheiten, Spielgeräten, Outdoor Sportgeräten und Skulpturen oder Brunnen. Über eine frühzeitige Einbindung der Anwohner in konkrete Planungen kann eine gemeinsame Verantwortung für die Pflege von Plätzen oder Spielflächen entstehen. Eine Art stadtteilmanagement könnte diesen Prozess in der Anfangszeit begleiten.

Alle drei Plan-Vorstellungen erinnern in ihren Nord-Süd-Achsen-Plänen an die einstmalige Ankündigung der Rheinallee als Boulevard. Leider wurde daraus nur eine Schnellstraße.
In den Rhein-Anbindungs-Plänen erinnern sie an die eigentlich gelungene Verbindung von Berliner Platz zum Rhein, die sich im Alltag zur Angst- und zur polizeilich zu überwachenden Alkoholverbotzszone entwickelte.
Alle Vorstellungen sind relativ statisch, da nur Vorschläge gemacht werden, damit sich etwas tun solle – was allen fehlt, sind Vorschläge, damit sich wirklich etwas tut, quasi ein Kristallisationspunkt, von dem ausgehend sich ein pulsierendes Leben über LU erstreckt.
Dies könnte m.E. ein teilweiser Erhalt der Hochstraße sein, die urbanisiert werden kann und so nicht nur als 'historisches Zitat', sondern als zukunftsweisender Impulsgeber fungieren kann.
Um Umplanungskosten zu sparen, sollte natürlich nur ein solcher Teil erhalten werden, dessen Basis nicht für die neue Stadtstraße benötigt wird, bzw. relativ problemlos durch die neue Stadtstraße umfahren werden kann. Die Umplanungskosten wären auf jeden Fall geringer als die nötigen Abrißkosten und der Nutzen wäre enorm, wenn man z.B. daran denkt, wie erfolgreich der Umbau einer S-Hochbahn-Strecke in New York war oder wie erfolgreich der Besuch der Plattform eines Hochhaus-Hotels in Singapur vermarktet wird.
Etwas mehr Phantasie würde LU sicher vertragen.

In allen Planvarianten fehlt eine freigehaltenen Stadtbahntrasse vom Rathaus über Europaplatz durch die Bgm.-Grünzweig-Str. zur Marienkirche. Diese Trasse sollte unbedingt freigehalten werden, falls man sich eines Tages entschließen sollten, den Hemshof besser mit der Stadtbahn erschließen zu wollen.

Vermisse das Einbeziehen des bisherigen ÖPNV Netzes:

1) Wo können neue Halte und Umsteigestellen entstehen ?
2) Kann Verkehr besser gebündelt werden ?
3) Können Anlagen stillgelegt/rückgebaut werden ?
4) Wo sind Trassenänderungen möglich und sinnvoll neu zu gestalten ?

Fahrrad ist nicht jedermann möglich !!!
PKW sollte nur bei Bedarf eingesetzt wer4den müssen / dürfen
Durchgangsverkehr sollte ausweichen können !

Sobald Brückenbauwerke entfernt werden kann zeitgemäß, entsprechend Bedürfnissen der jungen Stadt Ludwigshafen als Oberzentrum mit Mannheim als Nachbarn, und Rhein als Lebensader für Natur und Wirtschaftsräume vieles entstehen was hilft.

Viel Glück, Spaß und lebendige Begegnungen !!!

Es wäre wichtig, in die Gesamtbetrachtung alle Plätze und Parks in den angrenzenden Stadtteilen einzubeziehen, damit nicht einerseits neue Flächen gestaltet werden und die "alten" Parks oder Plätze vergessen werden. Können weitere Flächen für urban gardening genutzt werden? Damit könnten auch jetzt schon Akzente gesetzt werden.

Die Bebauung zurueckzusetzen und genuegend Raum fuer Fahrrad und Fussgaenger, sowie Baeume zu lassen, wertet die neue Strasse qualitativ enorm auf. Es laesst an die Ringstrasse in Wien und andere Alleen denken. Ludwigshafen wuerde hier optisch enorm gewinnen, und etwas bauen was einer Grossstadt wuerdig ist. Durch die Verlagerung der Strasse von der Hoehe auf ebenerdig, werden auch die Abgase und der Laerm naeher an die Menschen herankommen. GTL versucht hier das Beste zu erreichen, um das durch Ihre Planung auszugleichen.

Der Entwurf des Büros GTL ist insgesamt am überzeugendsten. Neuer Rheinuferpark im Hemshof, Zugang zum Rhein / neuer Platz und Eingang Rheingalerie, sowie vorallem die Verbreiterung des Querschnitts der Stadtstraße sind ein Gewinn.
Durch die Erweiterung des Querschnitts könnte wirklich der Grünzug vom Friedenspark bis an den Rhein geführt werden - es wäre nicht nur Straßenbegleitgrün.