Geplante Sperrung des Nordbrückenkopfes startet: Neue Sicherheitsbewertung führt zu zusätzlichen Verkehrsanpassungen
Die bereits seit Langem angekündigte Sperrung des Nordbrückenkopfes wird in den kommenden Tagen umgesetzt. Neue technische Untersuchungen haben ergeben, dass zusätzlich zwei weitere Bauwerke vorsorglich aus dem Verkehr genommen werden müssen. Die grundsätzliche Planung bleibt bestehen, sie muss lediglich in einzelnen Punkten angepasst werden. Gleichzeitig ergeben sich auch Verbesserungen gegenüber der bisherigen Planung: die wichtige innerstädtische Nord-Süd-Verbindung über die Rheinuferstraße kann nach einigen baulichen Anpassungen in beide Richtungen erhalten bleiben.
OB Blettner: Sind auf die Aufgabe vorbereitet
"Diese Sperrung war seit Langem vorgesehen und angekündigt. An der grundlegenden Planung hat sich nichts geändert. Neu ist nur, dass wir aufgrund zusätzlicher technischer Erkenntnisse zwei weitere Bauwerke vorsorglich aus dem Verkehr nehmen müssen. Wir haben frühzeitig darauf hingewiesen, dass die Lage der Hochstraße Nord und insbesondere am Nordbrückenkopf ernst ist und die Schäden gravierend sind. Das ist letztendlich der Grund, warum sie abgerissen werden muss.
Wir haben in den vergangenen Jahren alles dafür getan, dass die Hochstraße Nord sicher befahrbar ist, während wir die Hochstraße Süd teils neu gebaut, teils saniert haben. Auch wurde sehr früh kommuniziert, dass es ab Mitte 2026 zu größeren Verkehrseinschränkungen kommen wird.
Dem Verkehr steht jetzt aber wieder die Hochstraße Süd zur Verfügung. Anders als bisher angenommen, wird auch die Rheinuferstraße als wichtige Nord-Süd-Verbindung nach einigen baulichen Eingriffen auf noch unbestimmte Zeit befahrbar bleiben.
Wir wissen, dass die kommenden Jahre eine Herausforderung werden. Dafür bitten wir weiterhin um Verständnis und Geduld. Aber wir haben uns frühzeitig vorbereitet, wichtige Alternativen geschaffen und werden die Verkehrssituation täglich beobachten, um überall dort umgehend zu handeln, wo Verbesserungen möglich sind.
Wir sind auf diese Situation vorbereitet und werden sie gemeinsam Schritt für Schritt bewältigen. Denn wir haben ein Ziel vor Augen: Wir bauen eine moderne und leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur für Ludwigshafen und damit auch für die Region und schaffen zugleich die Grundlage für die Entwicklung der Zukunftsquartiere", erklärte Oberbürgermeister Prof. Dr. Klaus Blettner.
Die aktuellen Untersuchungen an der Hochstraße Nord bestätigen den bereits bekannten schlechten Bauwerkszustand. So wurden Materialschäden festgestellt, die vorsorgliche Einschränkungen an zwei weiteren Bauwerken erforderlich machen, um Last von der Brücke zu nehmen. Das ist aus Expertensicht notwendig und folgt dem von der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen vorgegebenen Handlungsweg.
Die Stadtverwaltung wird in den kommenden Tagen die Absperrungen aufbauen und im ersten Schritt innerstädtisch Umleitungen ausschildern. Im Anschluss daran wird die Beschilderung gemäß dem Drei-Zonen-Konzept entlang der B9 und in Mannheim aufgestellt, danach auch entlang der Autobahnen A61 und A6. Innerstädtisch bleibt die Verbindung von Süden nach Norden über die Rheinuferstraße bestehen, weil die Trasse hier nicht über Bauwerke geführt wird.
Der Bereich unter der Hochstraße Nord bleibt offen, ebenso die Zufahrt zum Anlieferbereich der Rhein-Galerie. Zur Aufrechterhaltung der Nord-Süd-Verbindung haben Stadtverwaltung und Bauprojektgesellschaft Ludwigshafen (BPG) eine Lösung gefunden, die in den kommenden Wochen umgesetzt wird. Das wird wesentlich zur Entlastung beitragen und stellt eine Verbesserung gegenüber der bislang verfolgten Planung dar.
Dadurch bleibt eine leistungsfähige Nord-Süd-Verbindung im Stadtgebiet erhalten und ein wesentlicher Teil des ursprünglich erwarteten Ausweichverkehrs kann aufgefangen werden. Veränderungen wird es am Hemshofkreisel geben. Hier muss sichergestellt werden, dass falsch fahrende Lastkraftwagen nicht in den Hemshof mit seinen engen Straßen einfahren.
Anders als geplant kann lediglich die Verbindungsspange zwischen der Hochstraße Nord und den nördlichen Stadtteilen nicht in Betrieb genommen werden. Da gleichzeitig die bereits geplante Sperrung in Fahrtrichtung Mannheim umgesetzt wird und zusätzlich die Abfahrt in Richtung nördliche Stadtteile/BASF aus Sicherheitsgründen entfällt, steht die Kurt-Schumacher-Brücke dem motorisierten Verkehr insgesamt nicht mehr zur Verfügung. Sie kann bauzeitlich ausschließlich von Fußgängerinnen und Fußgängern sowie Radfahrerinnen und Radfahrern genutzt werden.
Thewalt: ÖPNV trägt zur Entlastung bei
"Wir müssen vorsorglich handeln und Sicherheitsmaßnahmen umsetzen. Natürlich ist die verkehrliche Situation nicht einfach, aber wir haben sehr frühzeitig informiert, um allen die Chance zu geben, sich möglichst darauf vorzubereiten. Wir werden im Zuge der Baustellenkoordination die Verkehrsentwicklung eng begleiten und prüfen, wo wir eventuell Erleichterungen herbeiführen können. Unser Straßennetz ist hoch belastet und muss aufgrund seiner großen Belastung permanent instandgesetzt werden.
Wer daher vom Auto aufs Fahrrad oder den ÖPNV umsteigen kann, den bitten wir, dies auch zu tun. Die Gleisbauarbeiten der Rhein-Neckar-Verkehrsbetriebe (rnv) südlich des Berliner Platzes enden planmäßig mit dem 9. August. Danach stehen die Verbindungen der Linie 4/4A, der Linie 9X sowie der Linien 10 und 12 wieder zur Verfügung. Die Straßenbahnlinie 6/6A bedient auch weiterhin die Verbindung zwischen Oppau und Mannheim.
Zur Entlastung trägt auch die Möglichkeit bei, wenn machbar, im Home Office zu arbeiten. Gleichzeitig arbeiten wir mit Hochdruck an den Instandsetzungsarbeiten an der L523 im Norden weiter, damit diese schnellstmöglich wieder komplett zur Verfügung steht.
Für den 10. August, also pünktlich zu Schulbeginn in Rheinland-Pfalz, ist die Verkehrsfreigabe vorgesehen. Wer in die nördlichen Stadtteile oder zur BASF muss, kann dann problemlos die B9 und die L523 nutzen. Hier greift unser Drei-Zonen-Konzept", erläutert Bau- und Umweltdezernent Alexander Thewalt.
Nach den Worten von Björn Berlenbach, Technischer Geschäftsführer der BPG, werde man in den kommenden Wochen mit der mit dem Rückbau des Nordbrückenkopfes beauftragten Abbruchfirma das weitere Vorgehen genau besprechen.
"Hier haben wir noch einige Ideen, die zur Entlastung beitragen. Aber bei einem so komplexen Bauvorhaben ist man immer von Faktoren abhängig, die man selbst kaum oder gar nicht beeinflussen kann. Selbstverständlich werden wir auch umfassend informieren, wenn das Abbruchkonzept steht. Wo immer wir sinnvollerweise Erleichterungen für den Verkehr herbeiführen können, auch wenn diese nur temporär sind, werden wir es möglich machen", so Berlenbach.
Technische Erläuterungen:
Im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Bauwerksprüfungen wurden an den für die Standsicherheit relevanten Spannstählen korrosionsbedingte Auffälligkeiten festgestellt. Hierzu wurde die Hochstraße Nord insbesondere im Bereich des Nordbrückenkopfes an mehreren Stellen geöffnet, um den Zustand der Konstruktion im Inneren gemeinsam mit externen Fachleuten zu untersuchen.
Die aktuellen Untersuchungen bestätigen den bereits bekannten Sanierungsbedarf der Hochstraße Nord. Darüber hinaus wurden Materialschäden an einzelnen tragenden Bauteilen festgestellt, die nach den geltenden technischen Regelwerken zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich machen. Als Baulastträger ist die Stadt verpflichtet, diese Erkenntnisse bei der Bewertung des Bauwerks zu berücksichtigen und die notwendigen Maßnahmen vorsorglich umzusetzen.
In den vergangenen Wochen haben die Stadtverwaltung und die Bauprojektgesellschaft Ludwigshafen (BPG) verschiedene technische Möglichkeiten geprüft, um die betroffenen Bauwerksteile vorübergehend zusätzlich zu sichern oder zu entlasten. Diese Varianten hätten jedoch einen erheblichen zeitlichen Vorlauf erfordert und die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen nicht ersetzt.
Bereits seit Dezember 2024 gelten auf der Hochstraße Nord ein Lastkraftwagen-Abstandsgebot sowie eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometern pro Stunde für Lastkraftwagen, um die Belastung des Bauwerks zu reduzieren. Die aktuellen Untersuchungsergebnisse machen nun weitergehende Maßnahmen erforderlich.
Die Sperrung des Nordbrückenkopfes ist Bestandteil des bereits geplanten Vorgehens zum Rückbau der Hochstraße Nord. Der Verkehr unterhalb des Bauwerks bleibt weiterhin möglich. Dies gilt insbesondere für den öffentlichen Personennahverkehr, den Anlieferverkehr zur Rhein-Galerie und dem Kornspeicher des Hafens sowie den Radverkehr.